Wer dem HErrn anhängt, der ist ein Geist mit Ihm.
Deine Hand, dein Fuß richtet sich, oder bewegt sich nur nach deinem Willen; dein Wille lebt, regt und bewegt sich in deinen Gliedern: so sollst du in Jesus, so JEsus in dir sein; so sollst du dich von Ihm leiten und bewegen lassen. Wer weiß, was ihm Jesus ist und was er ohne JEsus sein würde, der hängt mit ganzer Seele, mit Leib und Geist an Ihm, der ist ein wahres, lebendiges Glied am Leib JEsu, weil er von JEsu beseelt und regiert wird, wie die Glieder seines Leibes von seiner Seele belebt und regiert werden!
Ach lass mich an Dir hangen,
Der Reb' am Weinstock gleich,
Und seliglich gelangen
HErr, in Dein Freudenreich.
Dort in des Himmels Throne
Sing' ich Lob, Ehr' und Preis,
Gott Vater und dem Sohne,
Und auch dem heiligen Geist.
Amen.
Nehme und esset, das ist mein Leib, der für euch dahin gegeben wird; tut das zu meinem Andenken. - Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute; tut dies, so oft ihr trinket, zu meinem Andenken. So oft ihr also dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, sollt ihr den Tod des Herrn verkündigen.
Es war dem Heiland so sehr daran gelegen, sich uns unvergesslich zu machen, sich so in unser Herz und unsern Sinn einzuschreiben, dass wir ihn nicht mehr aus dem Andenken und nicht aus dem Herzen verlieren sollten. Dazu gab er, was wohl vor und nach ihm keiner zum Andenken geben wird, sein Fleisch und Blut, seinen Leib und Leben - sich selbst. Wer gibt sich selbst seinem Freunde zur Erinnerung, zum Beweis der Liebe? Darum sollen wir auch nicht bloß an ihn denken, und sein Abendmahl soll uns nicht nur ein Gedächtnismahl, nicht bloß eine feierliche Erinnerung seines Todes - obwohl auch dieses - sein, sondern mehr noch, Nahrungsmittel, innige Gemeinschaft, Verbindung und Erneuerung des Lebens und Todes, und der Auferstehung Jesu in uns. Wer sichs lebhaft denken, zuversichtlich glauben kann: Diesen Leib, für dich dahin gegeben; dieses Blut, für dich vergossen, ist dir zugleich Pfand des Lebens Jesu in dir, Pfand deines ewigen Lebens bei und mit ihm in seinem Reiche; ist die Speise, Nahrung, Weg-Zehrung auf der Pilgerreise durchs Erdenleben; dieses Mahl ist dir lebendiger, anschaubarer Beweis deiner Versöhnung mit Gott, der Vergebung der Sünden, der Gemeinschaft mit Christus und dem Vater, der Verbrüderung aller auserwählten Glieder des Leibes Jesu - denn da wir Viele Ein Brot essen, sind wir Alle Ein Leib - dieses Manna, das wahrhaftig aus dem Himmel kommt, gibt und erhält dir das ewige Leben; dieses Brot des Lebens bewahrt dich vor dem ewigen Tode, und wird auch deinen Leib einst wieder erwecken. - Dieses alles und noch mehr, denn auszusprechen ist es nicht, was alles in diesem Sakramente liegt, dieses alles recht lebendig gedacht und geglaubt, und gegessen und genossen, und in Saft und Kraft verwandelt - wie reich, wie selig, wie stark macht es deine Seele!
Wenn ich alle Sprachen der Engel und Menschen redete, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz und eine klingende Schelle. (Das ganze Kapitel.)
Der Apostel, der so viel vom Glauben spricht und den Glauben zur einzigen Bedingnis der Seligkeit macht, zeigt in diesem Kapitel, so wie in allen seinen Briefen deutlich genug, was er für einen Glauben verstehe, und dass Glaube und Liebe bei ihm Eines und dasselbe sind; dass ein Glaube ohne Liebe eine Schale ohne Kern, das Gerede vom Glauben ohne Liebe eine klingende Schelle, ein toter Leichnam ohne Seele sei. Möchten doch alle, die so unbedingt vom Glauben sprechen, und sich so gern auf den Paulus berufen, nicht übersehen und vergessen, dass hier derselbe Apostel den Glauben so an die Liebe bindet und von ihr abhängig macht, dass er ohne sie schlechterdings nichts taugt und vor Gott zu Schanden wird. Man glaubt sogleich darauf los, wenn man ein Wort der Schrift gehört hat, und denkt: Das geht mir ein; wenn ich nichts tun darf, als glauben, so will ich bald fertig sein. Man vergisst nachzusehen und zu fragen: Was meint der Apostel für einen Glauben? Der wahre Glaube muss ja doch ein großes Ding sein da er so große Dinge wirkt; er kann nicht jedermanns Ding sein, weil der gewöhnliche Glaube so wenig wirkt. Kurz, wenn alle die eingebildeten Glaubenshelden dieses Kapitel recht ansehen, werden sie wohl bald an ihrem Glauben Schiffbruch leiden, oder entdecken, dass ihr Glaube auf einer Sandbank sitzt, und sie im Grunde gar keinen haben, weil sie die Liebe nicht haben. Ach, wie sind der Täuschungen so viele in der heiligsten und wichtigsten Angelegenheit der Menschen! Wie sehr haben wir zu wachen, zu beten, uns vor Gott zu prüfen, dass uns die Eigenliebe nicht betrüge und uns selig spreche, ohne dass wir das wahre, untrügliche Kennzeichen der seligen Kinder Gottes, die Liebe, an und in uns haben. Es ist doch alles Nichts, alles Gute auch eitel, wenn nicht Liebe es heiligt. Komm, Liebe! komm! und erfülle uns ganz und gar!